Was haben Streuobstwiesen mit Regenwäldern zu tun?

Ähnlich wie bei den tropischen Regenwäldern sind auch unsere heimischen Streuobstwiesen vom Aussterben bedroht. Die Probleme sind weltweit die gleichen: Artenreiche Landschaften müssen Monokulturen weichen. Eine zahlenmäßig wachsende Bevölkerung benötigt intensiv bewirtschaftbare Landwirtschaftsfläche. Das macht pflegebedürftige Streuobstwiesen zu wirtschaftlich unrentablen Kulturrelikten.


Was sind Streuobstwiesen und wer lebt darauf?

Die Streuobstwiese ist eine traditionelle Form des Obstbaus. Auf Streuobstwiesen stehen hochstämmige Obstbäume meist unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Arten und Sorten locker verteilt in großräumigen Abständen. Typische Obstsorten sind Apfel, Birne, Pflaume, Kirsche, Mirabelle oder auch Walnuss. Die Fläche zwischen den Bäumen wird oft als Mähwiese (für Heu) oder als Viehweide benutzt. Auch Alleenbäume gehören zum Streuobstbau. Durch die Vielfalt unterschiedlicher Obstsorten tragen Streuobstwiesen zum Erhalt der natürlichen Artenvielfalt bei.

Auf Streuobstflächen wird auf den Einsatz synthetischer Pestizide verzichtet.

Streuobstwiesen gehören zu den artenreichesten Biotopen unserer Breiten. Bis zu 5.000 Tier- und Pfanzenarten finden auf ihr eine Heimat. Vor allem selten gewordene Tiere wie der Siebenschläfer oder der Steinkauz finden auf einer strukturreichen Obstwiese ein reiches Futterangebot. Wir bezeichnen diese reichen Kulturlandschaften als die kleinen Regenwälder Brandenburgs.


Was ist Streuobst?

Als Streuobst bezeichnet man Obst- und Nussbäume, die verstreut, meist in der Nähe von Ortschaften in der Landschaft stehen. Diese Bäume stehen meist in Gruppen, sie können aber auch als Allee in einer Reihe stehen oder einzeln als Solitärgehölz.


Was ist der Unterschied zu Fallobst?

Unter Fallobst versteht man reife, essbare Früchte, die von Bäumen fallen und dadurch beschädigt werden. Aufgrund der Schäden durch den Fall und dem folgenden Verrottungsprozess und/oder Insektenbefall, wird es als minderwertige Ware angesehen und ist nur beschränkt zum Verzehr oder zur Weiterverarbeitung geeignet.


Was ist der Unterschied zur Plantage?

Die Aufgaben wie Pflegen und Ernten auf der Streuobstwiese werden von Hand gemacht. Plantagen dagegen werden maschinell geerntet. Außerdem werden auf der Streuobstwiese keine Spritzmittel, chemische Dünger oder ähnliches. verwendet.

Das Kulturgut Apfel ist zu einem Industrieprodukt geworden. In den 1970er Jahren förderten Bund und Europäische Gemeinschaft die Rodung der alten Apfelbäume mit ihren Hochstämmen und den Anbau ertragsorientierter Plantagen mit kleinen Bäumen am Spalier. Die klassischen Tafelobstsorten wurden so gezüchtet, dass sie einheitlich große Früchte bringen, leicht zu ernten sind und immer gleich gut schmecken - egal aus welchem Land sie kommen. Strenge EU-Richtlinien haben dazu beigetragen, die Vielfalt der Äpfel zu beschneiden: mit Qualitätsnormen, die Größe und Gewicht eines Apfels und sogar die Beschaffenheit des Stiels genau festlegen.


Was sind alte Obstsorten?

Der Begriff bezeichnet alle Sorten, die vom Erwerbsobstbau nicht mehr angeboten werden. Das umfasst sowohl Sorten, deren Ursprünge bis ins 17. Jahrhundert oder noch früher zurück verfolgt werden können, als auch Sorten, die erst vor rund 100 Jahren bekannt geworden sind. Der Spezialist für alte Obstsorten ist der Pomologe.

Lediglich 25 Sorten werden im Erwerbsobstbau kultiviert und nur sieben davon regelmäßig im Handel angeboten: Boskoop, Cox Orange, Golden Delicious, Elstar, Gloster, Jonagold und Granny Smith. Die Standardisierung des Apfels hat sich als „ökonomisch“ herausgestellt. Heute wird geschätzt, dass es auf der Welt mehr als 30.000 Apfelsorten gibt, 2000 davon allein in Deutschland.


Warum sind Produkte von Streuobstwiesen höherpreisig?

Das Kultivieren von Streuobstwiesen bedeutet eine Menge Handarbeit. Jeder Baum wird individuell begutachtet, geschnitten und geerntet. Zu diesem zeitintensiven Mehraufwand sind nicht viele Bauern bereit, die Obstwiesen verkommen oder werden gerodet. Damit sich die Mühe trotzdem lohnt gibt es das sogenannte Aufpreismodell: Für das geerntete Obst von Streuobstwiesen wird ein überdurchschnittlich hoher Preis bezahlt.


Und was hat der Bauer davon?

Für den Bauern werden so Anreize geschaffen, alte Obstbäume zu pflegen, zu bewirtschaften und somit einen Beitrag zu einer vielfältigen Kulturlandschaft zu leisten.


Was sind denn Polyphenole?

Polyphenole gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen, die auch beim Menschen positive Wirkung zeigen. Ihnen wird eine antioxidative Wirkung zugeschrieben und kommen in roten Beeren, Nüssen, Obst und Gemüse vor. Sie schützen also unsere Zellen vor freien Radikalen und somit vor Krebs und Herzinfarkt. Im Tierversuch zeigte naturtrüber Apfelsaft einen höheren Schutz vor Darmkrebs als klarer. Außerdem bewirken Polyphenole, dass der Apfel zwar aromatisch, aber weniger süß ist. Äpfel mit hohem Polyphenolgehalt haben nicht immer eine ganz perfekte Form und das Fruchtfleisch verfärbt sich beim Anschneiden schneller, es wird eher braun. Beim Apfel aus dem Supermarkt sind solche Makel nicht erwünscht, und so enthalten viele neu gezüchtete Sorten weniger Polyphenole als ihre Vorgänger.

Der Polyphenolgehalt von Äpfeln hängt stark von Sorte, Anbauklima und Reifung ab: Viel Sonne sorgt für eine vermehrte Bildung. Mostäpfel haben bis zu 10-mal mehr davon als Tafeläpfel. Die Polyphenole stecken konzentriert in der Schale und in den Kernen. Beim Apfelsaft entscheiden die Apfelsorte und die Art der Herstellung über die Menge an sekundären Pflanzenstoffen. Im Saft sind der Gehalt und die Zusammensetzung an Polyphenolen anders als im Apfel. Bei klaren Apfelsäften gehen während der Klärung viele Polyphenole verloren, da diese an Trub­stoffe gebunden sind. Darum enthält naturtrüber Saft mehr Polyphenole als klarer: bis zu 400 Milligramm pro Liter.


Was heißt ungespritzt?

Was viele nicht wissen: auch im vertraglichen Öko-Obstbau werden zugelassene Pflanzenbehandlungsmittel eingesetzt. Durch vorbeugende Maßnahmen wie eine passende Sortenwahl, ausreichende organische Düngung mit Kompost und regelmäßige Schnittmaßnahmen kann im Obstbau auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verzichtet werden. Natürlich sind kleine Abweichungen von der Idealnorm im äußeren Erscheinungsbild die Folge. Jedoch profitiert die Geschmacksvielfalt immens von einem ungespritzten Obstanbau.